Skip to main content

Stammbaum Jesu


Der Stammbaum Jesu bzw. die Genealogie Jesu beschreibt, welche Vorfahren Jesus von Nazareth gehabt haben soll. Skizziert ist der Stammbaum Jesu im Neuen Testament im Evangelium nach Lukas und im Matthäusevangelium.

Laut Matthäus beginnt die Stammeslinie Jesu bei Abraham, dem Erzvater der Israeliten. Das Lukasevangelium beginnt die Skizzierung der Stammeslinie mit Gott, geht dann über zu Adam. Abraham und Isaak erscheinen bei Lukas erst einige Generationen später.

Beide Evangelisten nennen Abraham, David und Juda als Vorfahren Jesu. Dennoch weichen beide Stammbäume bei den Nachkommen Davids ab. So geht Lukas auf die Stammeslinie von Nathan zurück, während Matthäus den Stammbaum Salomons zurückverfolgt. In Matthäus Genealogie ist Jakob der Vater von Joseph, während Lukas ihn als Eli nennt. Dennoch tauchen in beiden Genealogien die Namen Serubbabel und Schealtiel auf. Beide Genealogien versuchen auf unterschiedliche Weise, das Problem des Salomonischen Fluchs zu lösen (siehe unten).

Im Christentum des Mittelalters wird die Abstammung Jesu als Baum dargestellt, welcher in der Ikonografie (Bilddeutung) auch als Wurzel Jesse oder Jessebaum bezeichnet wird.

Steckbrief

Stammbaum Jesu, Darstellung aus dem Hortus Deliciarum der Herrad von Landsberg (um 1180), Bildnachweis: lizenzfrei, keine Änderungen vorgenommen

Stammbaum Jesu


Stammbaum Jesu
Bedeutung:rechtliche Abstammungslinie der Israeliten insbesondere des Hauses David bis zu Jesus von Nazareth
Bücher:Enthalten im Evangelium des Matthäus und des Lukas (beide Neues Testament der Bibel)
Buchabschnitte:Matthäus 1 (Vers 1-17), Lukas 3 (Vers 23-38)
Erster Vorfahre:Abraham (bei Matthäus), Gott (bei Lukas)
Vater Jesu:Joseph von Nazareth bei Matthäus und Lukas
Mutter Jesu:Maria bei Matthäus, Lukas nennt keine Mutter im Geschlechtsregister
Großvater Jesu:Jakob (bei Matthäus), Eli (bei Lukas)
Großmutter Jesu:nicht genannt im Geschlechtsregister
Wichtige Vorfahren Jesu
Erzvater Abraham:Stammvater der Israeliten, Ihm wurde die Segensverheißung für alle Völker der Erde gegeben.
König David:König des Vereinigten Israels, Begründer des Hauses David, Laut der Messiasverheißung soll Gott einen Gesandten schicken - welcher das Haus David erneuert, Frieden für alle Völker bringt und als Retter bzw. Erneuerer der Beziehung zwischen Gott und Mensch fungiert.

Wurzel Jesse bzw. Jessebaum in der Basilika der Heiligen Maria in Krakau, Bildnachweis: tolobalaguer.com/shutterstock.com

Jessebaum mit Darstellung der Vorfahren Jesu

Warum ist David als Vorfahre Jesu so wichtig?

Das Haus David geht auf König David zurück, welcher im 10. und 9. Jahrhundert v. Chr. das Königreich Israel als deren König regierte. David war keineswegs der erste König von Israel. Dies war Saul, welcher um 1032 v. Chr. bis etwa 1010 v. Chr. regierte. Aber David gab Gott das Versprechen, dass er ihm einen Tempel bauen würde (2. Sam 7).

Daraufhin entgegnete Gott – vermittelt durch den Propheten Nathan – dass er ihm kein Haus bzw. Tempel bauen müsse. Denn dies sei die Aufgabe seiner Nachkommen. Stattdessen werde Gott ihm ein Haus bauen, welches ewig bestehen soll.

Mit dem Haus meinte Gott eine Dynastie. In einem späteren Kapitel (2. Sam 23,5 ) wird der ewige Bund zwischen David und Gott explizit erwähnt. Demnach war es Gotteswunsch, dass die davidischen Königslinie in alle Ewigkeit bestehen bleibt. Diese Abstammungslinie kann auch nicht durch menschliche Sünde vereitelt oder aufgehoben werden (2. Samuel 7,11-16).

Der wahre König der Juden und auch Heilsbringer der Menschheit (Messias) muss mit Gott vereint sein. Und diese Vereinigung wurde bereits mit König David erreicht und ging auf dessen Nachfahren über. Deshalb ist es umso wichtiger, dass Jesus ein Sohn Davids ist.

Warum ist Abraham in der Stammeslinie Jesu so wichtig?

Abraham gilt als Stammvater der Israeliten. Demnach war er der Ursprung des Gottesvolkes. Er wird von Gott berufen. Beide schließen ein Bund und Gott verspricht ihm, dass er Nachkommen und ein Land haben wird.

Die Nachkommen Abrahams (Volk) und das Land sind seitdem untrennbar vereint und als Einheit gedacht. Außerdem verspricht Gott ihm und seinen Nachkommen große Segensverheißungen:

„Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.“ (Lutherbibel 1545, 1. Buch Mose, 12 Vers 3)

Damit erhält Abraham von Gott eine Zusage, welche einen universalen Segen ankündigt. Und dieser Segen betrifft nicht nur das Volk Israel sondern Völker. Im Christentum wird Jesus als Vollendung dieser Zusage verstanden, weshalb es wichtig ist – die Stammeslinie Jesu bis nach Abraham zu zeigen.

Laut dem Alten Testament und dem Tanach ist Abraham der erste, welcher Gott uneingeschränkt vertraut. Deshalb wird er auch als „Vater des Glaubens“ bezeichnet. Jesus gilt im Christentum als Vollender des Glaubens. Mit der Stammeslinie Abraham-Jesus soll der Glaubensursprung und dessen Vollendung gezeigt werden.

Welche Bedeutung hat der Abraham-David-Jesus-Stammbaum auf die Messias-Prophezeiung?

Abraham gilt als Ursprung des Volkes und des Glaubens. David gilt als Ursprung der dynastischen Königslinie, welche bis in alle Ewigkeit herrschen soll. Sein Nachkomme ist der Messias.

Sowohl David als auch Abraham wurden von Gott auserwählt und berufen. Jesus ist das Symbol der Vollendung des Glaubens (Abraham), der Königsdynastie (David) und des wieder vereinigten Volkes (Abraham & David). Alle diese Aspekte zusammengenommen machten ihn zum erwarteten Messias.

Wer sind die Vorfahren Jesu im Matthäusevangelium?

Matthäus beschreibt die Herkunft Jesu als Sohn des Joseph und der Maria. Er führt den Stammbaum über König David bis zu Vater Abraham zurück, weshalb Jesus auch als deren Sohn gilt. Der ganze Stammbaum umfasst drei mal vierzehn Generationen, lässt sich aber in drei Abschnitte teilen:

  • Abschnitt 1: Von Abraham bis David
  • Abschnitt 2: Von David bis zum babylonischen Exil
  • Abschnitt 3: Vom babylonischen Exil bis zu Jesus Christus

Im Folgenden ist der Stammbaum Jesu aus Mt 1 Vers 1-17.

Von Abraham zu David
1Abraham (Abram)
2Isaak (Isaac)
3Jakob (Jacob)
4Juda und Tamar (Thamar)
5Perez (Pharez)
6Hezron
7Ram
8Amminadab (Aminadab)
9Nachschon (Nahasson, Nahshon)
10Salmon (Salma) und Rahab
11Boas und Ruth
12Obed
13Jesse (Isai, Yishai)
14König David
Matthäus nennt jeweils den Vater als Zeuger seines ältesten bzw. erbberechtigten Sohnes. Die Ausnahme bilden Tamar, Rahab und Ruth (Zeile 4, 10 und 11), welche als Frauen und Mütter an der Seite des Mannes ebenfalls erwähnt werden.
Von David bis zum babylonischen Exil
1König David und Bathseba (Batseba, Uria)
2Salomo (Salomon, Jedidiah)
3Roboam (Rehabeam)
4Abijam (Abija, Abia)
5Assa (Asa)
6Jehoshaphat (Josaphat, Yehoshafat, Joschafat)
7Jehoram (Joram)
8Uzziah (Usia, Osia, Azariah, Asarja, Usija)
9Jotham (Yotam)
10Ahaz (Achas, Ahas)
11Ezechia (Hiskia, Ezekias, Hiskija)
12Manasse (Manasseh, Menashe)
13Amon (Amos)
14Josia (Josiah, Iosias, Yoshiyahu, Joschija)
Matthäus nennt Bathseba (Zeile 1) als einzige Frau in diesem Abschnitt.
Vom Babylonischen Exil bis Jesus
1Jechonia (Jekonia, Joschija, Jeconiah, Jehoiachin, Coniah)
2Shealtiel (Sealthiel, Salathiel, Schealtiël)
3Zorobabel (Zerubbabel, Serubbabel)
4Abiud (Abihud)
5Eliakim (Eliachim)
6Azor (Asor)
7Sadoc (Zadok, Zadoch)
8Akim (Achin)
9Eliud
10Eleasar
11Matthan
12Jakob (Jacob)
13Joseph (Josef) und Maria
14Jesus
Matthäus nennt Maria (Zeile 13) als einzige Frau in diesem Abschnitt.

Wer sind die Vorfahren Jesu im Lukasevangelium?

Lukas skizziert den Stammbaum Jesu rückwärts bis zu Adam. Dadurch soll Jesus als Sohn Gottes und als Teil der gesamten Menschheit dargestellt werden. Anders als Matthäus (Mt 1) führt Lukas nur die männliche Stammeslinie Jesu. Er betont die universale Stammeslinie bis Adam und nicht nur bis Abraham (vgl. Matthäus 1). Enthalten ist der Stammbaum Jesu in Lk 3 Vers 23-38.

Von Gott zu Abraham
1Gott
2Adam
3Seth (Set)
4Enos (Enosh, Enosch)
5Cainan (Kainan, Kenan)
6Mahalalel
7Jared (Jered)
8Henoch (Enoch)
9Mathusalah (Methusalem, Metuschelach)
10Lamech
11Noah (Noach)
12Shem (Sem)
13Arphachsad (Arphaxad, Arpachshad, Arpaksad)
14Cainan (Kainan)
15Shelah (Selah, Salah, Sala, Schelach)
16Eber
17Phaleg (Peleg)
18Reu (Ragau, Regu, Ragahu)
19Serug (Saruch)
20Nahur (Nahor)
21Terah (Terach, Thara)
Von Abraham zu David (identisch mit Matthäus)
22Abraham (Abram)
23Isaak (Isaac)
24Jakob (Jacob)
25Juda
26Perez (Pharez, Phare)
27Hezron (Esrom)
28Ram (Arni, Aram)
29Amminadab (Aminadab)
30Nachschon (Nahasson, Nahshon)
31Salmon (Salma)
32Boas
33Obed
34Jesse (Isai, Yishai)
35König David
Von David zu Jesus (unterschiedlich zu Matthäus)
Lukas führt anders als Matthäus die Stammeslinie des Hauses David mit Nathan (jüngster Sohn Davids und Bathsebas) fort. Matthäus wählte Salomo als ältesten überlebenden Sohn von David und Bathseba.
36Nathan
37Mattathan (Mattatha)
38Menam (Menna)
39Melea
40Eliakim
41Jonam
42Joseph
43Juda
44Simeon
45Levi
46Matthas (Matthat)
47Jorem (Jorim)
48Eliezer
49Jesus (Joses)
50Äh (Hers)
51Elmodam
52Cosam (Koma)
53Addi
54Melchi
55Neri
56Salathiel
57Zorobabel
58Rhesa (Resia)
59Joannan (Johanna)
60Juda (Joda)
61Josech (Joseph)
62Semei
63Mattathias
64Maath
65Nagge (Nange)
66Esli
67Naum (Nahum)
68Amos
69Mattathias
70Joseph
71Jannai (Janna)
72Melchi
73Levi
74Matthat (Matt)
75Eli (Heli)
76Joseph
77Jesus
Lukas nennt Shealtiel bzw. Salathiel und Zorobabel bzw. Zerubbabel (Zeile 56 und 57). Beide Namen tauchen in der gleichen Reihenfolge auch bei Matthäus (Zeile 2 und 3, Babylonische Exilzeit) auf.

Warum werden im Matthäus-Stammbaum Frauen erwähnt und bei Lukas nicht?

Die rechtliche Erbfolge ging, laut jüdischen Recht des 1. Jahrhunderts, vom Vater auf den Sohn über. Demnach ist die väterliche Stammeslinie die einzig entscheidende gewesen. Dennoch führt Matthäus fünf Frauen auf, was wohlmöglich mit ihrer gesellschaftlichen Stellung, sozialen Umfeld und Lebenswirklichkeit zu tun hatte. So sollte gezeigt werden, dass Gott auch in unreinen und ungewöhnlichen Situationen wirkt. Schließlich führt dies zu einer Plausibilisierung der Rolle von Maria (Jesusmutter).

Stammesmütter Jesu
Tamar:verführte als verkleidete Prostituierte den Juda und wurde so zur Stammesmutter von Juda (Stamm Juda, Judentum)
Rahab:Prostituierte, welche die Eroberung Kanaans ermöglichte. Durch dieses Vorgehen ermöglichte sie den Israeliten den Zugang ins verheißene Land.
Rut:Moabiterin bzw. Ausländerin, welche durch soziales Handeln in den Kreis der Israeliten aufgenommen wurde.
Batseba:Symbol für menschliche Schuld, Neuanfang, Sündenerlass und Gottes Gnade, Außerdem war sie die Urmutter der davidischen Königslinie
Maria:Symbol für das Zusammenspiel von Moralvorstellungen (Alten Testament) und christlicher Botschaft (Neues Testament) des Vertrauens, der Hingabe und der Überraschung (Gottes Plan)

Im Folgenden werden die merkwürdigen Umstände der Frauen aus den Bibelerzählungen kurz erläutert.

Tamar und Juda

Tamar war die Schwiegertochter von Juda. Sie heiratete zunächst Judas ältesten Sohn, welcher Er genannt wurde. Doch dieser verstarb kurz nach der Hochzeit. Daraufhin verheiratete Juda seine zweitältesten Sohn (Onan), welcher ebenfalls nach der Hochzeit starb.

Rein rechtlich hätte Judas jüngster Sohn Schela nachziehen müssen, um Nachkommen für seine älteren Brüder zu beschaffen. Doch Juda wollte auch nicht noch den letzten Sohn verlieren und zögerte mit der Hochzeit.

Nachdem nun auch noch Judas Frau gestorben war, verkleidete sich seine verwitwete Schwiegertochter (Tamar) als Hure und verführte Juda. Aus dem Beischlaf ging Perez hervor. Die Geschichte von Juda und Tamar steht im 1. Buch Mose (Genesis).

Salmon und Rahab

Rahab war eine Prostituierte während der Eroberung des Landes Kanaan. Sie stammte aus Jericho und versteckte zwei israelitische Spione in der Stadt (Buch Joshua, Alte Testament). Als Jericho erobert wurde, überlebten sie und ihre Familie das Massaker. Erwähnt wird sie als Stammmutter Jesu nur im Matthäusevangelium als Frau des Salmon und Mutter des Boas. Das Buch Ruth, in welchem die Bibelerzählung zwischen Boas und Rut geschildert wird, erwähnt Rahab nicht. Auch das Erste Buch der Chronik (Alte Testament) erwähnt sie nicht.

Boas und Ruth

Die Bibelerzählung von Boas und Ruth ist wesentlicher Bestandteil des Buches Ruth (Altes Testament). Als in Bethlehem eine Hungersnot ausbrach, wanderte eine Familie nach Moab aus (Vater Elimelech, Mutter Noomi und deren Söhne).

In Moab heirateten die Söhne einheimische Frauen (Moabiterinnen). Aber der Vater und die Söhne starben. Und nur Mutter Noomi und ihre Schwiegertöchter Ruth und Orpa blieben zurück.

Als dann Noomi erfährt, dass die Hungersnot in Bethlehem vorüber ist, will sie in die Heimat zurückkehren. Beide Schwiegertöchter wollen sie begleiten. Doch Orpa zögert und kehrt schließlich zu ihrer Kernfamilie zurück.

Noomi und Ruth ziehen nach Bethlehem, wo Erstere mit offenen Armen empfangen wird. Gegenüber Ruth (Ausländerin) sind die Einheimischen misstrauisch und meiden sie. Doch Boas, ein gutsituierter Landbesitzer, nimmt sich Ruth an, unterstützt sie und heiratet sie schließlich.

König David und Bathseba

Bathseba war die Gemahlin des hethitischen Söldners Urija (Uria). Als König David sie beim Baden sieht, weckt das seine Begierde. Er lässt den Hethiter töten und Bathseba zu sich bringen. Beide heiraten.

Laut einigen jüdischen Überlieferungen war die Begegnung mit Bathseba ein Werk des Satans. Andere Überlieferungen heben die prophetische Unfehlbarkeit hervor. Dennoch ist Gott über das Vorgehen so erzürnt, dass das erste Kind von Bathseba und David stirbt.

Später bekamen sie weitere Söhne, wie Salomo und Nathan. Aber die Verfehlungen von David rächen sich nochmals. Denn er zeugte mit Maacah (Nebenfrau) einen weiteren Sohn, namens Absalom. Dieser stürzt das Land in einen Bürgerkrieg und hatte öffentlichen Sex mit zehn Konkubinen seines Vaters (2. Sam 16), wodurch die Frauenentführung zehnmalig bestraft wurde.

Maria und Joseph

Die Geburt Jesu war eine Jungfrauengeburt. Demnach waren die Umstände merkwürdig und hätten ein schlechtes Licht auf Maria werfen können. Doch indem Matthäus die anderen Stammesmütter Jesu erwähnt und somit auf deren merkwürdige Umstände verweist, ergibt sich eine gewisse Plausibilität für die Lebensumstände von Maria. Demnach sendet das Urchristentum eine klare Botschaft: „Gottes Plan ist größer als menschliche Moralvorstellungen.“

Ist Jesus von Joseph gezeugt wurden?

Maria gebar das Jesuskind, ohne zuvor mit Joseph geschlafen zu haben. Die Evangelien (Lukas und Matthäus) betonen ausdrücklich, dass die Geburt Jesu eine Jungfrauengeburt war.

  • Matthäus 2,18: „…daß sie schwanger war von dem Heiligen Geist.“
  • Lukas 1,35: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten.“

Demnach war die Zeugung Jesu ein übernatürlicher Akt und seine Herkunft ist göttlich. Mit dieser übernatürlichen Zeugung wurde die Prophezeiung des Jesaja erfüllt:

„Darum so wird euch der HErr selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie heißen Immanuel.“ (Lutherbibel 1545, Buch Jesaja 7, 14)“

Der Name „Immanuel“ war nicht als Vor- oder Rufname gedacht, sondern als Titel, Botschaft oder Bedeutungsaussage. Übersetzt bedeutet Immanuel: „Gott ist mit uns“. Das Matthäusevangelium verweist auf die Prophezeiung und erklärt die Namensgebung:

„Das ist aber alles geschehen, auf daß erfüllet würde, was der HErr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht: Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden seinen Namen Emanuel heißen, das ist verdolmetschet, GOtt mit uns.“ (Lutherbibel 1545, Matthäus 2,22-23)

Der tatsächliche Rufname (Jesus) wird ausdrücklich von Gott vorgegeben, wie Matthäus schreibt:

„Und sie wird einen Sohn gebären, des Namen sollst du JEsus heißen; denn er wird sein Volk selig machen von ihren Sünden.“ (Lutherbibel 1545, Matthäus 2,21)

Dass Jesus vom Heiligen Geist gezeugt wurde, soll das einzigartige Wirken Gottes aufzeigen. Gott gilt zum Zeitpunkt der Entstehung Jesu (Zeugung) als Urheber dieses Lebens. Demnach war Jesus auch Gottessohn im einzigartigen Sinn. Diese Ursprungserzählung diente auch dazu, Jesus Rolle als Messias besser zu unterstreichen und den Salomonischen Fluch zu umgehen (siehe unten).

Warum ist Joseph dennoch der Vater von Jesus?

Rein biologisch ist Joseph nicht der Vater von Jesus. Aber rechtlich ist er es. Denn im jüdischen Recht des 1. Jahrhunderts gilt die Vaterschaft als anerkannt – sobald man das Kind annimmt. Und da Joseph und Maria geheiratet haben, nahm Josef die Vaterrolle an. Dies hatte Konsequenzen. Denn durch die Adoption entsteht:

  • die Zugehörigkeit Jesu zum Stamm Juda
  • die Abstammung Jesu vom Haus David
  • die Lösung des Salomonischen Fluchs (siehe unten)
  • der rechtliche Anspruch Jesu auf den Titel „Sohn Davids“

Die letzte Konsequenz ist die entscheidende. Denn der Messias muss zwingend aus dem Haus David kommen, wie im oberen Abschnitt beschrieben steht. Die Evangelien stellen genau diese Verbindung her, um Jesus in die Messiasrolle zu rücken.

Warum wird Josefs Vater Jakob bei Lukas als Eli genannt?

Möglichweise hatte Joseph einen leiblichen (biologischen) Vater, namens Jakob und einen rechtlichen Vater, namens Eli. Dies ist durch die sogenannte Leviratsehe möglich. Denn – wenn ein Mann ohne Söhne starb, musste sein Bruder die Witwe heiraten und die Linie des Verstorbenen fortführen. So steht es in 5. Mose 25,5–6.

Man geht davon aus, dass Matthäus den rechtlichen Stammbaum Jesu abbilden wollte und Lukas den biologischen. Da Jesus durch Jungfrauengeburt zur Welt kam, war Josef nicht sein biologischer Vater. Demnach richtet sich Lukas biologische Genealogie an die Vorfahren von Maria. Und Matthäus Stammbaum listet lediglich die rechtliche Abstammung der Vaterseite, da eine biologische Abstammung seitens des Vaters nicht möglich ist.

Es wird angenommen, dass Marias leiblicher Vater Eli hieß. Und Joseph wird dann „Sohn des Eli“ genannt, weil er der Schwiegersohn war. Dies ist durchaus möglich, wenn der Schwiegervater selbst keine Söhne hatte oder wenn die Abstammung über die weibliche Seite dargestellt werden soll. Letzteres trifft bei Lukas zu.

Das erklärt, weshalb Lukas „Joseph, des Eli“ schreibt und weshalb Lukas bis Adam zurückgeht.

Welche Bedeutung hat die Zahl 7 im Stammbaum Jesu?

Im Judentum ist die Sieben ein Ausdruck von Vollkommenheit. So erschuf Gott die Welt in sieben Tagen, der siebente Tag der Woche ist der Sabbat und jedes siebente Jahr ist ein Schmitajahr.

Es ist möglich, dass Matthäus ganz bewusst drei 14-er Listen wählte (Mehrfache von 7). Zwar verzichtet Lukas auf 7-er oder 14-er Listen. Aber er wählt insgesamt 77 Generationen, weshalb er bei Gott anfängt und nicht bei Adam. Dadurch ergibt sich eine Liste von 14 Generationen bis zu Abraham. Nach 14 weiteren Generationen ist König David gelistet. Und bei Lukas sind es 42 weitere Namen bis zu Jesus (6×7).

Warum unterscheiden sich die Stammesliste Jesu ab König David?

Die Bibel nennt mehr als 20 Söhne von König David. Für die Stammesliste von Bedeutung sind zwei Söhne, welche er mit Bathseba gezeugt hatte. Dies sind Salomo (älteste) und Nathan (jüngster).

Matthäus führt sein Stammbuch Jesu anhand von Joseph (Jesus Vater) zurück bis David. In dieser Stammeslinie entspricht Salomo seinem Vorfahren. Lukas wählt hingegen die mütterliche Stammeslinie von Maria zurück nach David, wonach Nathan ihr Vorfahre war. Der Grund für diese unterschiedliche Herangehensweise liegt im Fluch, welcher auf Salomon und seinen Nachkommen lastete.

Der Fluch auf der Salomonischen Linie

Im Buch Jeremia 22,24–30 (Alte Testament) wird Jekonia, ein direkter Nachfahre Salomos (Zeile 1 der Matthäusliste im Babylonischen Exil) mit einem Fluch belegt. So sagt Gott:

„Keiner seiner Nachkommen soll auf dem Thron Davids sitzen und weiterhin über Juda herrschen.“

Somit wurde die salomonische Königslinie unter Gottesgericht gestellt und verlor die Königswürde. Kein leiblicher Nachkomme von Salomo durfte mehr König von Juda sein. Zwar existierten noch Nachkommen des Salomos und die Stammeslinie bestand somit weiterhin, nur das königliche Erbrecht war verloren.

Für das Neue Testament gab es deshalb extreme Spannungen, welche überwunden werden mussten. Der König von Juda musste zwingend aus dem Haus David stammen, damit die Messiasprophezeiung eintritt. Gleichzeitig durfte der Messias nicht leiblich von Salomo abstammen, da auf dieser Erblinie der Fluch lastete.

Das Matthäusevangelium wählte den Weg des Wunders, um dieses Problem zu lösen. So war zwar Joseph der rechtliche Vater von Jesu (Haus David), aber nicht der leibliche – aufgrund der Jungfrauengeburt. Somit erbte Jesus zwar den Thronanspruch von David, Salomo und Jekonia – aber nicht den leiblichen Fluch der Stammeslinie.

Das Lukasevangelium ging pragmatischer vor. Es umging den Salomonischen Fluch, indem es die Stammeslinie ab David nicht mit Salomo weiterführte, sondern mit Nathan. Die Nathanische Königslinie (ebenfalls Haus David) war nicht verflucht. Sie führte bis zu den Vorfahren von Maria. Somit ist Jesus über die Maria-Linie ein biologischer Vorfahre von Nathan und David, aber nicht von Salomo.

Sowohl bei Matthäus als auch bei Lukas erbt Jesus den Thronanspruch von David, ist somit ein Kind Davids – umgeht aber den Salomonischen Fluch auf verschiedenste Weise. Aufgrund dieser Prämisse unterscheiden sich beide Evangelien auch bei der Darstellung von Jesus Geburt. So wird bei Lukas die Vorgeschichte von Maria besser durchleuchtet, weshalb der Engel Gabriel sie aufsucht – um das Geburtswunder anzukündigen. Bei Matthäus wird mehr auf die Vorgeschichte von Joseph eingegangen, welcher vom Engel die Nachricht von der Geburt des Messias erhält.

Warum sind Serubbabel und Schealtiel in beiden Jesus Genealogien enthalten?

Lukas nennt Shealtiel bzw. Salathiel und Zorobabel bzw. Zerubbabel in seiner Genealogie Jesu (siehe Zeile 56 und 57). Beide Namen tauchen in der gleichen Reihenfolge auch bei Matthäus (Zeile 2 und 3, Babylonische Exilzeit) auf. Dieser Umstand macht die Namen zu einem Schlüsselpunkt der Genealogie Debatte. Für die Aufführung der Namen in beiden Jesus Genealogien gibt mehrere Gründe und mögliche Ursachen, welche nun erklärt werden.

Babylonische Gefangenschaft

Das Babylonische Exil begann 597 v. Chr. mit der Eroberung Jerusalems und dem Königreich Juda. Die Babylonier verschleppten die Oberschicht aus Juda mitsamt des damaligen Königs Jechonia. Der babylonische König Nebukadnezar II. setzte Zedekia als neuen Herrscher ein.

In Jeremia 22,24–30 wird der Salomonische Fluch über Jechonia ausgesprochen. Jechonja war ein direkter Nachkomme Salomos. Durch den Fluch wurde die salomonische Königslinie unterbrochen, zumindest in ihrer politischen Legimitation. Sie war demnach unbrauchbar geworden.

Laut dem Alten Testament war Jechonia ein böser König, welcher die Gebote Gottes missachtete und zum moralischen und religiösen Verfall Judas beitrug. Er regierte nur wenige Monate, bevor Nebukadnezar ihn absetzte und nach Babylon verschleppte. Diese kurze Regierungszeit galt als Zeichen göttlichen Gerichts. Die anschließende babylonische Gefangenschaft wird als Gottes Strafe gedeutet.

Zwei zentrale Figuren der Erneuerung

Laut den Büchern der Könige wurde Jechonia im 37. Jahr des Exils wieder freigelassen (2.Könige 25, 25-27). Jechonias Sohn war Schealtiel, welcher als Exiljude niemals König von Juda wurde. Sein Sohn war Serubbabel, welcher ebenfalls nie König wurde.

Serubbabel wird in biblischen Quellen als Statthalter von Juda erwähnt. Er führte die erste Gruppe von 42.360 Juden an, welche aus der babylonischen Gefangenschaft heimkehrten. Dies gelang, da Kyros der Große (Anführer des Achämenidenreichs) das Babylonische Reich im Jahr 539 v.Chr. eroberte. Er erlaubte den Juden die Rückkehr nach Jerusalem (Jehud) und beendete so die Exilzeit.

Unter Serubbabel erfolgte dann der Wiederaufbau des Tempels. Er war der letzte im Alten Testament genannte Spross der Davidischen Dynastie, der ein offizielles Amt ausübte. Somit endet mit ihm die elitäre Form der David-Dynastie. Vielleicht gerade deshalb wird er im Alten Testament als eine Art „neuer David“ dargestellt:

  • Er führt das Volk zurück.
  • Er baut den Tempel wieder auf.
  • Er erhält eine messianisch gedeutete Verheißung (Haggai 2,23).

„und dich wie einen Siegelring halten; denn ich habe dich erwählt“ (Haggai 2,23)

Klare Chroniken

Vor der Babylonischen Exilzeit kam es zu einem kulturellen Zerfall Judas. Die alten Traditionen wurden missachtet, die Königsmacht schwand zunehmend, was die unklaren Chroniken von Matthäus und Lukas beweisen. Während der Babylonischen Gefangenschaft kam es zu Rückbesinnung auf alte Traditionen und Werte innerhalb der jüdischen Gemeinde. Deshalb existieren feste genealogische Traditionen während dieser Zeit, welche Schealtiel und Serubbabel gleichermaßen würdigen.

Zwei Väter-These

Serubbabel war Sohn von Schealtiel und Enkel von Jechonia, dem vorletzten König von Juda. Allerdings erwähnen einige biblische Quellen (1. Chronik 3,19) einen zweiten Vater, namens Pedaja – welcher der Bruder von Schealtiel war. Demnach war Serubbabel entweder der Sohn oder der Neffe von Schealtiel. In dieser Konstellation wäre Pedaja der biologische Vater von Serubbabel und Schealtiel der rechtliche Vater. Solche Konstrukte gab es im Rahmen der Leviratsehe (Schwagerehe), bei welcher der Bruder eines Verstorbenen dessen Linie fortsetzen musste.

Gleiches Narrativ

Für beide Autoren (Lukas und Matthäus) waren Serubbabel und Schealtiel wichtige Ankerpunkte nach der Babylonischen Exilzeit. Jesus sollte sich zwingend in die Reihe dieser beiden Erneuerer einordnen lassen. Matthäus versuchte eine rechtliche Abstammungslinie Jesu abzubilden und Lukas eine biologische. Dennoch setzten beide auf die Symbolik, welche von Serubbabel und Schealtiel ausging.

Was bedeutet der Stammbaum Jesu für Christen und Juden?

Der Stammbaum Jesu legitimiert den Messiasanspruch, welchem Jesus zugesprochen wurde. Denn Lukas und Matthäus verbinden Jesus eindeutig mit König David (königliche Dynastie) und Abraham (Erzvater der Israeliten).

Demnach gilt Abraham als Urvater des Glaubens und Jesus als dessen Vollender. David gilt als Urvater der Königsdynastie und Jesus als dessen Vollender. Diese Elemente (Glauben, Volk, Herrschaft) waren zwingend notwendig, um den Messiasanspruch zu wahren.

Jener Anspruch gilt allerdings nur fürs Christentum. Denn lediglich Christen betrachten Jesus als den Messias. Im Judentum wartet man bis heute auf den Erlöser. In der jüdischen Denktradition ist der Messias auch keine göttliche Figur, sondern ein politisch religiöser Führer.

Dennoch ist der Stammbaum Jesu kulturgeschichtlich für Juden interessant, da jüdische Erwartungen genutzt werden – um Jesus Messias-Rolle zu erklären. Für jüdische Gelehrte ist es zudem interessant, wie das Neue Testament jüdische Konzepte nutzt – um eine religiöse Bedeutung herzustellen.


Ähnliche Beiträge