Skip to main content

Mayflower


Mayflower-Briefmarke, herausgegeben 1985 von Guine Bissau Africa, Bildnachweis: Meister Photos / Shutterstock.com

Mayflower-Briefmarke

Die Mayflower war ein Schiff, welches am 19. November 1620 in Amerika landete. An Bord befanden sich 102 Passagiere, welche hauptsächlich mittelenglischer Abstammung waren, aber in England religiös verfolgt wurden. Viele von ihnen gehören dem Puritanismus an.

Puritaner bezeichnen sich selbst als the godly und streben nach einem Leben mit calvinistischen Grundsätzen. Insbesondere die Teilung von Macht (Gewaltenteilung), der Widerstand gegen tyrannische Herrschaftsformen und die Selbstverwaltung von Gemeinden standen im Zentrum puritanischer Weltanschauung.

In Amerika wollten diese Auswanderer eine gottesfürchtige Gemeinde nach ihren Idealen errichten. Diese Idee – eine neue, moralisch erneuerte Gesellschaft aufzubauen – wurde später zu einem Kernmythos der USA. Deshalb werden die Siedler innerhalb der US-Geschichte auch als Pilgerväter bezeichnet. Viele amerikanische Traditionen, wie das Thanksgiving-Fest, gehen auf die Pilgerväter und die Mayflower-Besatzung zurück.

In Amerika angekommen, errichten die Siedler am 21. Dezember 1620 eine Ansiedlung in Neuengland, aus welcher die Plymouth-Kolonie hervorgeht. Diese puritanische Siedlung befand sich auf dem Gebiet des heutigen Massachusetts. Es war allerdings bereits das zweite britische Überseegebiet in Nordamerika nach Jamestown, Virginia (seit 1607).

Bereits bei der Überfahrt von Europa nach Nordamerika schlossen die Passagiere den Mayflower Compact. Dieses Dokument gilt als erstes Abkommen europäischer Auswanderer nach Amerika, welches eine rudimentäre Selbstverwaltung regeln würde. Um die Reise existieren diverse Mayflower-Mythen, welche im letzten Abschnitt beschrieben werden.

Steckbrief

Mayflower
Mayflower im Hafen von Plymouth, Bildnachweis: Martina Birnbaum/shutterstock.com

Mayflower II, eine Nachbildung der Mayflower,

Flagge:England
Schiffstyp:Galeone
Besitzer:Christopher Jones (ein Viertel des Schiffs)
Länge:ca. 28 m
Breite:ca, 9 m
Tiefgang:bis zu 4 m
Besatzung:31 Mann
Jungfernfahrt:vor 1620
Abwrackung:1624
Daten zur Mayflower-Fahrt von 1620
Passagiere:102 Passagiere, bestehend aus Pilger und Nicht-Pilger (Stranger)
Abfahrt:-Mitte Juli: Abfahrt von London
-5. August: Abfahrt von Southampton, Hampshire
-Mitte August: Abfahrt von Dartmouth
-16. September: endgültige Abfahrt von Plymouth, England
Ankunft:21. November auf Cape Cod, Massachusetts, Amerika
Dauer:etwa 66 Tage
Tote:mindestens ein dokumentierter Passagier
Geburten:eine auf See, eine bei Ankunft in Amerika
Rückkehr:15. April 1621: Rückreise nach England (ohne Pilgerväter)
Folgen der Mayflower-Fahrt von 1620
Entstehung der Plymouth-Kolonie in Neuengland im heutigen Massachusetts, USA
Mayflower im Hafen von Plymouth Massachusetts, Bildnachweis: solepsizm / Shutterstock.com

Was war die Mayflower für ein Schiff?

Die Mayflower war ein Segelschiff bzw. ein Rahsegler-Handelsschiff. Das Schiff war etwa 80 bis 90 Fuß lang (auf dem Deck). Dies entspricht einer Länge von etwa 24 bis 27 Metern. Insgesamt maß das Schiff etwa 100 bis 110 Fuß, was etwa 30 bis 34 Metern Länge entspricht.

Mayflower-Gedenkstein in Plymouth, Massachusetts, Bildnachweis: Corinne Prado / Shutterstock.com

Mayflower-Gedenkstein in Plymouth, Massachusetts

Woher kamen die Passagiere an Bord der Mayflower?

Viele der Passagiere an Bord der Mayflower kamen aus Leiden in Holland. Es waren englische Protestanten, welche im holländischen Exil lebten. In England galten die Flüchtlinge als radikale Separatisten, welche sich von der anglikanischen Kirche losgesagt hatten.

Der englische König James I. bildete ein Bündnis mit Holland gegen Spanien. Für dieses Bündnis stellte James die Bedingung – dass die Holländer unabhängige englische Kirchengemeinden in Holland verbieten würden. So gerieten die Puritaner auch in ihrer Exilheimat unter Druck.

Dieser Umstand wurde zur Motivation der Separatisten, in der Neuen Welt eine puritanische Gemeinde aufzubauen, welche sich weit weg von König James und seinen Bischöfen befindet.

Welche Persönlichkeiten reisten an Bord der Mayflower?

Kapitän der Mayflower war Christopher Jones, welcher auch Anteile am Schiff besaß. Viele Passagiere waren Abtrünnige der anglikanischen Kirche Englands, welche aus Europa fliehen wollten, um in der Neuen Welt eine gottesfürchtige Gemeinschaft aufzubauen.

Zu den religiösen Separatisten (Pilgrims) gehörten: John Carver (erster Gouverneur), William Bradford (späterer Gouverneur), William Brewster (geistlicher Leiter), Isaac Allerton und Familie.

William Bradford und weitere Pilgerväter beim Gebet vor der Abfahrt der Mayflower, von Robert W. Weir, 1844, in der Rotunde des Kapitols in Washington, Bildnachweis: gemeinfrei- keine Änderungen vorgenommen

William Bradford und weitere Pilgerväter beim Gebet vor der Abfahrt der Mayflower

An Bord waren aber auch Nicht-Pilger, welche von den Pilgern als Fremde (englisch: Stranger) bezeichnet wurden. Zu ihnen gehörte Myles Standish (späterer Militärführer), George Soule, Richard Warren, Peter Browne und John Billington und Familie.

Hinzu kamen einige Vertragsknechte, welche in den Straßen Englands aufgelesen wurden und zu einer Vertragsknechtschaft in den Kolonien gezwungen wurden.

Wer hat die Mayflower erbaut?

Der Erbauer der Mayflower ist nicht überliefert. Weder die Werft noch der Baumeister sind in historischen Dokumenten erwähnt. Erst zwischen 1609 und 1611 taucht das Schiff in den Hafenregistern auf und wird dort als Handelsschiff „of Harwich“ und später „of London“ erwähnt.

Fakt ist, dass die englischen Puritaner in Leiden (Holland), den Bau von zwei Schiffen in Auftrag gegeben haben. Das erste Schiff war die Mayflower und das zweite Schiff die kleinere Speedwall.

Wohin sollte die Mayflower segeln?

Das Ziel der Mayflower war die Virginia-Kolonie in Nordamerika, in welcher bereits englische Kolonisten lebten. Um dort siedeln zu können, erhielten die Passagiere ein Landpatent von der Virginia Company aus London.

Warum musste die Abreise der Mayflower dreimal verschoben werden?

Mitte Juli 1620 fuhr die Mayflower mit 65 Passagieren von London ausgehend die Themse hinunter in Richtung Südküste Englands. In Southampton, Hampshire ankerte die Mayflower und sollte sich am 22. Juli mit der Speedwell verbinden. An Bord der Speedwell befanden sich die geflüchteten Puritaner aus der Gemeinde in Leiden (Holland).

Geplant war, dass beide Schiffe den Hafen von Southampton Ende Juli verlassen würden. Doch dann erkannte man, dass die Speedwell ein Leck hatte, weshalb die Abreise erst am 5. August vollzogen wurde. Kurz nach der Abreise wurde ein zweites Leck auf der Speedwell bemerkt, weshalb man nach Dartmouth übersetzte, um das Schiff erneut reparieren zu lassen.

Gedenktafel in Southampton, Großbritannien erinnert an die Abfahrt der Mayflower und Speedwell (1620), Bildnachweis: David G40 / Shutterstock.com

Gedenktafel in Southampton, Großbritannien erinnert an die Abfahrt der Mayflower und Speedwell (1620),

Nach den Reparaturen wurde ein neuer Versuch unternommen. Doch nach etwa 300 km wurde ein neues Leck auf der Speedwell entdeckt, weshalb die Schiffe nach Plymouth in Südengland zurückkehrten. Dort wurden 20 Passagiere der Speedwell auf die Mayflower gebracht. Alle Übrigen kehrten in ihre Exilheimat nach Holland zurück. Mit zu wenig Vorräten an Bord stach die Mayflower am 6. September 1620 endgültig in See.

Wie viele Personen waren auf der Mayflower 1620?

Die Mayflower beförderte 102 Passagiere, eine Besatzung von 25 bis 30 Offiziere und Mannschaften. Die Gesamtzahl der Menschen an Bord betrug demnach etwa 130 Personen.

Wie sah die Mayflower im Jahr 1620 aus?

Die Mayflower war ein kleineres Handelsschiff, ideal für den Küstenhandel zwischen England und Bordeaux geeignet. Und dafür wurde sie auch ursprünglich gebaut. Sie fuhr bisher Wein oder Textilien zwischen den Küstenstädten hin und her. Als Hochseeschiff für eine Atlantikreise war die Mayflower suboptimal.

Illustration der Mayflower

Illustration der Mayflower

Ihr Aussehen entsprach dem typischen Stil dieser Zeit. Ein Rahsegler mit drei Masten, einem hohen Vorderkastell und einem sehr hohen Achterkastell, welches neun Meter aus dem Wasser ragte. Der bauchige Rumpf war ideal, um Frachtware zu transportieren. Die hohen Aufbauten machten die Mayflower zwar stabil, aber äußerst manövrierunfähig bei starken Hochseewinden.

Wie lange dauerte die Überfahrt der Mayflower?

Die Mayflower brach endgültig am 6. September 1620 von Plymouth in England auf und erreichte am 9. November 1620 die Halbinsel Cape Cod im heutigen Massachusetts, USA. Demnach dauerte die Reise insgesamt 66 Tage bzw. etwa 10 Wochen.

Wie waren die Lebensbedingungen an Bord der Mayflower?

Die Wohnstätten für die 102 Passagiere waren beengt. Die Deckenhöhe in den Passagierquartieren maß etwa 1,5 Meter in der Höhe. Für jeden Passagier gab es etwa so viel Platz wie in einem kleinen Einzelbett. Da Frauen und Kinder mitreisten und alle zusammenrücken mussten, war viel Vertrauen unter den Passagieren notwendig.

Neben den Passagieren hatte das Schiff eine Ladung, bestehend aus Vorräten für die Neue Welt. Man nimmt an, dass sich Werkzeuge, Nahrung und Waffen an Bord der Mayflower befanden. Auch Nutztiere, welche die Pilger in Amerika brauchten, waren vermutlich an Bord. So teilten sich die Passagiere den Raum mit Hunden, Schafen, Ziegen, Geflügel und Schweinen.

Wie war das Wetter bei der Überfahrt?

Die erste Hälfte der Überreise verlief über ruhigem Meer und angenehmen Himmel. Doch dann änderte sich das Wetter zu einem anhaltenden Sturm, welcher riesige Wellen verursachte, die permanent gegen die Oberdecks schlugen.

Während eines zweiten Sturms durften die Segel nicht benutzt werden, da ansonsten der Mast weggebrochen wäre. Deshalb trieb die Mayflower mehrere Tage lang im Sturm, bevor die eigentliche Route fortgesetzt werden konnte.

Bei einem weiteren Sturm wurde eine der Hauptstrahle beschädigt, weshalb die Schiffbesatzung umkehren wollte. Doch einer der Kolonisten hatte in Holland eine Metallschraube gekauft, welche nun dazu benutzt wurde, die Hauptstange zu sichern. Nur deshalb konnte die Seetüchtigkeit des Schiffes erhalten bleiben.

Starben Passagiere bei der Überfahrt?

Ja, mindestens eine Person starb auf See. Denn während des Sturms wurden sämtliche Passagiere krank durch Nässe, welche immer wieder in die Schlafquartiere der Passagiere eindrang. Ein weiterer Faktor war mangelnde Hygiene. Dies kombiniert mit einem Mangel an Nahrung führte dazu, dass insbesondere Frauen und Kinder erkrankten.

Die Kranken lagen dann in ihren kalten und nassen Schlafplätzen, was eine Heilung fast unmöglich machte. So erging es auch William Butten, dem Knecht des Schiffsarztes Samuel Fuller. Während des Sturms erkrankte er und starb am 6. November 1620 auf See. Drei Tage später erreichte die Mayflower den amerikanischen Kontinent. Fuller wurde noch auf See beigesetzt.

Der Passagier John Howland wurde während des Sturms von Bord gespült. Doch ein Besatzungsmitglied warf ihm ein Seil zu, wodurch er gerettet werden konnte.

Die meisten Passagiere starben nachdem man im November in Amerika ankam. Denn der raue Winter, gepaart mit den Krankheiten der Reise, machten ein Überleben für viele unmöglich. Ansteckende Krankheiten, die als Mischung aus Skorbut, Lungenentzündung und Tuberkulose beschrieben wurden, rafften die Passagiere dahin. Am Ende der Krankheiten lebten noch 53 der ursprünglichen 130 Personen.

Gab es schwangere Frauen an Bord der Mayflower?

Ja, es gab schwangere Frauen an Bord der Mayflower. Während der Überfahrt wurde ein Baby inmitten des Sturms geboren, welches auf den Namen „Oceanus Hopkins“ getauft wurde. Er war der Sohn von Stephen Hopkins, einem der 41 Unterzeichnern des Mayflower-Pakts und seiner Frau Elizabeth Hopkins. Oceanus war das einzige Kind, welches bei der Überreise geboren wurde. Ein zweites Kind, welches direkt nach der Ankunft in Amerika geboren wurde, war Peregrine White, geboren im Hafen von Cape Cod.

Wie konnten die Passagiere solche Strapazen verkraften?

Die meisten Autoren, welche die Überreise der Mayflower beschreiben, erwähnen ein übergeordnetes und spirituelles Ziel der Pilger.

Demnach glaubten die Ausreisenden, in der Neuen Welt ein neues Gelobtes Land zu finden. Dort sollte ein zweites Jerusalem entstehen. Und die Ausreisenden sollten dazu bestimmt sein, genauso wie die Israeliten von einst, die Welt nachhaltig zu verändern.

John Carver, einer der Anführer der Passagiere, soll später auch als Moses der Pilger bezeichnet worden sein. Dieses übergeordnete Ziel, welches die Pilger als Offenbarung für ein gelobtes Land empfanden, machte sie zu einem zweiten auserwählten Volk. Dieses Ziel gab ihnen die Kraft, die Strapazen der Reise zu überstehen.

Warum landete die Mayflower nicht in Virginia?

Ursprünglich sollte die Mayflower in Virginia landen. Doch stattdessen landete sie in Cape Cod, einer Halbinsel in der südöstlichen Ecke von Massachusetts. Diese Halbinsel war der erstbeste Punkt, welchen die Mayflower in Amerika anlief.

Die Besatzung versuchte mehrere Tage nach Süden weiter zu segeln, um das geplante Ziel in Virginia doch zu erreichen. Denn eigentlich gab es nur für Virginia, die Erlaubnis sich niederzulassen. Doch die starken Wellen zwangen die Mayflower immer wieder umzukehren und zurück nach Cape Cod zu fahren. Als dann am 21. November 1620 die Vorräte richtig knapp wurden, gingen sie endgültig vor Anker.

Warum wurde der Mayflower-Compact geschlossen?

Vor der endgültigen Ankerlegung in Cape Cod unterschrieben die männlichen Pilger und Nicht-Pilger-Passagiere den Mayflower Compact. Der Pakt war eine Ansammlung von Beschlüssen, zu denen sich die Unterzeichner bekannten.

Pilgerdenkmal mit dem Mayflower Compact-Relief in Provincetown, Massachusetts, Bildnachweis: Todd J. Williams/shutterstock.com

Pilgerdenkmal mit dem Mayflower Compact-Relief in Provincetown, Massachusetts

Ziel des Paktes war, eine Rechtsordnung in der Neuen Welt einzuführen, um mögliche Unruhen unter den Siedlern zu unterdrücken. Insgesamt 41 Passagiere unterschrieben den Pakt.

Um sicherzustellen, dass sich alle an die festgeschriebenen Regeln halten, wurde Myles Standish mit der Durchsetzungsbefugnis beauftragt. Erst nachdem sich alle Männer auf den Pakt geeinigt und diesen unterschrieben hatten, stiegen die Passagiere von Bord.

Wie überlebte die Mayflower-Kolonie?

Die Plymouth-Kolonie startete zum ungünstigsten Zeitpunkt. Denn die Mayflower landete im November 1620 in Nordamerika, was ein Anbau von Getreide oder Ähnlichen unmöglich machte. Außerdem waren die Siedler nicht auf so einen Winter gefasst gewesen. Sie waren nicht auf Schneestürme gefasst, welche das Land unpassierbar machten.

Von Anfang an erhielten die Pilgrims notwendige Unterstützung von Einheimischen in der Gegend. Ohne diese Unterstützung bei der Nahrungssuche hätten die Pilger wohlmöglich kaum Überlebenschancen gehabt.

Den Winter blieb die Menschen an Bord der Mayflower, während sich dort diverse ansteckende Krankheiten ausbreiteten. Als die Krankheitswelle vorbei war, lebten noch 53 Mitglieder der Gruppe.

Erst im Frühjahr begangen sie damit, Hütten zu bauen. Am 5. April 1621 kehrte die Mayflower nach England zurück. Und im Herbst 1621 feierten die Siedler zusammen mit 90 Wampanoag-Indianer die erste Herbsternte der Kolonie. Aus diesem Fest geht die Tradition des Thanksgiving in den USA hervor.

Gedenktafel in Plymouth, Massachusetts erinnert an das Herbstfest der Pilgerväter mit Angehörigen des örtlichen Wampanoag-Stammes, Bildnachweis: RogerMechan / Shutterstock.com

Gedenktafel in Plymouth, Massachusetts erinnert an das Herbstfest der Pilgerväter mit Angehörigen des örtlichen Wampanoag-Stammes

Warum ist die Mayflower so bedeutend?

Die Mayflower war bedeutend, da das Schiff die puritanische Lebensweise nach Amerika brachte. Und diese Lebensweise prägte die amerikanische Gesellschaft nachhaltig und erschuf ein amerikanisches Selbstverständnis. Demnach gilt Jamestown zwar als erster geografischer Ort der späteren USA, aber die Pilgerväter schufen die ideologische Grundannahme, wodurch die USA entstehen konnte.

Laut puritanischer Weltanschauung muss das Christentum von allen katholischen Resten gereinigt werden. Man kann Puritanismus als eine radikalere Form des Protestantismus beschreiben.

Puritaner wollen, dass die Kirche mit ihrer festzementierten Herrschaftsstruktur (Bischöfe, Papst) zurückgebaut wird. In der Folge soll eine gereinigte Kirche entstehen, in der nur die Autorität der Bibel zählt. Das Leben der Puritaner soll voller Frömmigkeit, Buße und Disziplin gestaltet sein. Eine religiös-motivierte Arbeitsmoral garantiert dann ein moralisch einwandfreies Leben.

Laut Puritaner braucht jede Regierung die Zustimmung der Menschen, welche regiert werden. Jegliche irdische Macht muss geteilt werden, da wirkliche Macht nur Gott haben kann. Daraus entsteht ein Verständnis von staatlicher Gewaltenteilung, einer Trennung von Kirche und Staat, sowie Widerstand gegenüber Tyrannen. Eine weitere Grundidee ist, dass sich Gemeinden selbst organisieren sollen.

Dieses amerikanische Selbstverständnis führte letztlich zur amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung ab 1763, wodurch sich die Dreizehn Kolonien Nordamerikas vom englischen Mutterland lossagten. Und jene puritanischen Ideen, gemischt mit Ideen der Aufklärung, finden sich in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung in schriftlich fixierter Form wieder (4. Juli 1776).

Kann man die Mayflower heute besichtigen?

Die Mayflower wurde nach ihrer Rückreise nach England (15. April 1621) für weitere Fahrten eingesetzt. Als Kapitän Christopher Jones im März 1622 starb, wurde das Schiff begutachtet und als „in Trümmern“ bezeichnet. Der Wert des Schiffes betrug nur noch 128 Pfund Sterling. Wohlmöglich wurde die Original-Mayflower im Jahr 1624 in Rotherhithe, London abgewrackt.

Die Mayflower, welche heute in Plymouth, Massachusetts steht, ist eine Nachbildung des Originals. Es demnach als Museumsschiff gebaut worden. Bauherr war die Upham-Werft in Brixham, Großbritannien. Der Stapellauf geschah am 22. September 1956.

Am 20. April 1957 segelte die Mayflower II von Plymouth, Großbritannien nach Cape Cod, USA. Demnach wurde die ursprüngliche Route der Original-Mayflower nachgesegelt. Und am 22. Juni 1957 kam die Mayflower II in Plymouth, USA an.

Mayflower II im Hafen von Plymouth, Bildnachweis: Galaneth/shutterstock.com

Mayflower II im Hafen von Plymouth

Welche Mythen existieren zur Mayflower und der Reise nach Amerika?

Mythos 1: Die Mayflower war das erste europäische Schiff

Die Mayflower war nicht das erste Schiff, welches europäische Siedler nach Amerika brachte. Es war nur das symbolträchtigste Schiff, bei dem man im Nachhinein einen Mythos erschaffen hatte.

Vor der Mayflower landeten bereits die Spanier, die Franzosen und andere britische Schiffe in Nordamerika. Die erste britische Siedlung war die Kolonie Roanoke Island (1585), welche sich aber nicht hielt. Mit Jamestown gelang den Briten im Jahr 1607, also 23 Jahre vor den Pilgervätern, die erste dauerhafte Siedlung in Nordamerika zu errichten.

Mythos 2: Passagiere waren nur Pilger

Nicht alle Passagiere waren Pilger bzw. Puritaner. Stattdessen gab es auf der Mayflower auch diverse Händler, Arbeiter oder Dienstboten, die von Londoner Kaufleuten angeheuert wurden.

Mythos 3: Landung auf dem Plymouth Rock

Der Plymouth Rock wird oftmals als Ort beschrieben, wo die Pilger das erste Mal amerikanisches Festland betraten. Tatsächlich taucht dieser Ort in den ursprünglichen Quellen (Logbuch) nicht auf. Dieser mystische Ort wurde erst 100 Jahre nach der Ankunft der Mayflower dazu gesponnen.

Monument von Plymouth Rock, Bildnachweis: Bill Morson / Shutterstock.com

Monument von Plymouth Rock

Mythos 4: Das erste Thanksgiving

Im Jahr 1621 hielten die Pilgerväter ein gemeinsames Erntedankfest mit 90 Wampanoag-Indianern ab. Aus dieser Tradition entstand das Thanksgiving-Fest in den USA.

Dieses historische Fest von 1621 fand tatsächlich statt. Aber es war kein Fest von Harmonie. Stattdessen gab es Misstrauen auf beiden Seiten. Die Pilgerväter wollten die Ureinwohner Nordamerikas missionieren und unterwerfen.

Im Jahr 1675 kam es dann zum Aufstand der Indigenen gegen die Siedlungspolitik der Briten, welche im sogenannten King Philips War mündete. Dieser Krieg dezimierte die Anzahl der Indigenen Bevölkerung Neuenglands entscheidend und führte dazu, dass Europäer und Indianer an keinen nachhaltigen Frieden mehr glauben.

Mythos 5: Der Mayflower-Compact war der Ursprung der amerikanischen Demokratie

Der Mayflower Compact war ein wichtiges Dokument, aber eher eine pragmatische Notlösung, um Ordnung in der neuen Kolonie zu sichern. Die Idee, dass hier die amerikanische Demokratie „geboren“ wurde, ist eine spätere Überhöhung.